In-Vitro-Fertilisation (IVF)

In-Vitro-Fertilisation (IVF)

Die In-Vitro-Fertilisation (IVF) wird bereits seit 1978 angewandt. Durch IVF sind bis 2006 weltweit etwa 3 Millionen Kinder entstanden, Tendenz stark steigend. In Dänemark sind beipsielsweise 4 % aller Geburten das Resultat einer IVF.

Das Prinzip der Methode lässt sich kurz wie folgt beschreiben: Nach einer Stimulation der Eierstöcke mit den natürlichen Botenstoffen LH und FSH werden die Eizellen entnommen und in einer Schale mit den Spermien des Partners zusammengebracht. Die Spermien befruchten die Eizellen und die besten zwei bis drei - je nach Alter der Frau - der  entstehenden Embryonen werden dann in die Gebärmutter zurückgegeben. Kommt es dann zu einer Schwangerschaft, unterscheidet sich diese nicht von einer natürlichen, »normalen« Schwangerschaft.

Die Behandlung

Die Therapie beginnt mit einer Stimulation mit natürlichen Botenstoffen. Würde man sich allein auf den natürlichen Zyklus verlassen, gäbe es üblicherweise nur eine befruchtungsfähige Eizelle. Durch die Stimulationsbehandlung mit körpereigenen Botenstoffen wird die Chance erhöht, mehrere Eizellen zu gewinnen. In äußerst seltenen Fällen kann es zum so genannten Überstimulationsyndrom der Eierstöcke kommen. Wir versuchen, alle Risikofaktoren im Vorfeld abzuklären und die Dosis der Gonadotropine so niedrig wie möglich zu wählen. Sollte dennoch einmal ein Überstimulationssyndrom auftreten, ist dieses mittlerweile medikamentös optimal behandelbar.

Bei den Spritzen, die Sie sich selbst unter die Haut verabreichen, handelt es sich nicht - wie allgemein angenommen - um künstliche Hormone, sondern um natürliche, körpereigene Botenstoffe, welche für die Eireifung erforderlich sind. Deshalb treten auch nicht die Nebenwirkungen auf, die von künstlichen Hormongaben bekannt sind. Es können lediglich die auch sonst im Rahmen eines natürlichen Zyklus auftretenden Symptome auftreten oder verstärkt werden. Ein vorzeitiger Eisprung wird verhindert durch die Gabe eines weiteren Stoffes, der die Ausschüttung des Eisprunghormons LH blockiert. Dieser Stoff wird entweder als Spritze oder als Nasenspray verabreicht.

Um den 10.Zyklustag erfolgt eine Ultraschalluntersuchung und Blutabnahme zur Bestimmung der Hormone der Follikelreifung. So weiß man ganz genau, wann der günstigste Zeitpunkt zur Gewinnung befruchtungsfähiger Eizellen gekommen ist.

Etwa am 12.Zyklustag wird der Eisprung mit einer Spritze ausgelöst (Auslösespritze). 36 Stunden nach der Auslösespritze, um den 14. Zyklustag, erfolgt die Entnahme der Eizellen. Die reifen Eizellen werden unter Ultraschallkontrolle über die Scheide aus dem Eierstock mittels einer speziellen, dünnen Nadel entnommen (Follikelpunktion) und in eine Nährlösung übertragen.

Übrigens: nicht jedes Eibläschen enthält eine Eizelle! Die Zahl der gewonnenen Eizellen kann also deutlich unter der Zahl der vorher im Ultraschall gesehenen Follikel liegen. Je älter Sie sind, umso schlechter wird dieses Verhältnis sein. In unserem Zentrum wird die Eizellentnahme meist im Rahmen einer ca. zehnminütigen Schlafnarkose durchgeführt.

Am Tag der Eizellentnahme benötigen wir die Spermien Ihres Partners. Viele fühlen sich durch einen »Samenerguss auf Bestellung« gestresst, was sich negativ auf die Spermienqualität auswirken kann. Deshalb ist es sinnvoll, die Spermien zu Hause zu gewinnen und körperwarm mitzubringen. Im Labor wird die Samenflüssigkeit aufbereitet und die beweglichen Spermien kommen gemeinsam mit den befruchtungsfähigen Eizellen in eine Nährlösung.

Nach etwa 24 Stunden im Wärmeschrank weiß man, ob die Eizellen befruchtet worden sind. Die Embryonen mit der höchsten Erfolgswahrscheinlichkeit werden in der Regel zwei bis fünf Tage später in der Gebärmutterhöhle exakt an der Stelle platziert, die wir während der Eizellentnahme per Ultraschall ausgemessen haben. Ein Embryotransfer unter Ultraschallkontrolle ist meist nicht sinnvoll, wie alle großen internationalen Studien ergeben haben. Dies wird allerdings von vielen Zentren zunehmend als »showpiece« angeboten. Wir lehnen dies ab, da es die Akkuratesse und Ruhe, welche beim Embryotransfer nötig sind, stört. Das Zurückgeben der Embryonen erfolgt ohne Narkose, denn dies ist in der Regel völlig schmerzfrei.

Wir übertragen in Absprache mit Ihnen einen bis maximal drei Embryonen. Die Zahl hängt von der Art und Schwere der Fruchtbarkeitsstörung und Ihrem Alter ab. Bei jüngeren Frauen empfehlen wir die Gabe von maximal zwei Embryonen. Bei älteren Frauen raten wir eher zur Gabe von drei Embryonen.

Ab dem Tag nach der Eizellentnahme führen Sie zur Unterstützung der Einnistungsphase natürliche Progesteron-Kapseln in die Scheide ein. Zwei bis fünf Tage später geben wir Ihnen Ihre Embryonen zurück. Der nächste Termin ist der Schwangerschaftstest, der frühestens 16 Tage nach Entnahme der Eizellen stattfindet.

Der Blastozystentransfer

Der Blastozystentransfer ist im Gegensatz zu einer häufig geäußerten Meinung in Deutschland nicht verboten. Beim Blastozystentransfer handelt es sich um einen Transfer von Embryonen zu einem vorgerückten Zeitpunkt - meist Tag 5 nach Eizellentnahme. Die meisten der bei uns durchgeführten Transfers sind Blastozystentransfers, da wir der Ansicht sind, dass unter normalen Umständen hiermit die besten Schwangerschaftsraten erzielt werden können.

Es gibt jedoch auch Meinungen, wonach das längere Belassen der Embryonen in der Nährlösung Nachteile mit sich bringen kann ? vor allem dann, wenn ein vorgerücktes Alter der Frau besteht (meist älter als 35). Dann wären die Embryonen bei einem früheren Transfer am Tag 2 oder 3 sozusagen bereits sicher in der Gebärmutter gewesen.

Die Meinung zu diesem Thema ist in der internationalen, wissenschaftlichen Gemeinde kontrovers. Ob ein »Tag-5-Transfer« sinnvoll ist oder nicht, wird Ihr behandelnder Arzt entscheiden.

Wenn wenig Eizellen gewonnen werden konnten, ist in jedem Fall ein früherer Transfer sinnvoll. 

»Day 2 IVF-ET shows promise in some young patients.« Source: Fertility and Sterility 2006; 86: 44-50: »To investigate, Shehua Shen and colleagues studied data for 242 fresh IVF and ICSI cycles in which all embryos were transferred regardless of their quality because few were available. Transfers performed between November 2002 and September 2003, when embryos were cultured for 3 days, were compared with those performed between October 2003 and September 2004, when culture was shortened to 2 days. The evidence suggests that limiting embryo culture to only 2 days reduces the incidence of miscarriage and increases ongoing pregnancy rates«.

Risiken und Erfolgschancen

Das Risiko des Überstimulationssyndroms wurde bereits oben angesprochen. Durch die Einzellenentnahme kann es auch zu Verletzungen am Gewebe kommen, da wir aber alle Eingriffe mit Ultraschall durchführen, ist dies höchstselten. Ein weiteres Risiko sind Eileiterschwangerschaften, obwohl die Rückgabe der Embryonen direkt in die Gebärmutter erfolgt.

Die Zahlen für Fehlgeburten bei der In-vitro-Fertilisation liegen bei ungefähr 15 Prozent und damit um 5 Prozent höher als bei ?normalen? Schwangerschaften. Der Grund liegt jedoch nicht in der IVF-Methode, sondern darin, dass IVF-Schwangere im Durchschnitt älter sind und das Risiko einer Fehlgeburt mit dem Lebensalter ansteigt. Da wir in unserer Klinik nur in äußerst seltenen Fällen drei Embryonen zurückgeben, besteht keine Gefahr für eine Drillingsgeburt.

Die Schwangerschaftsrate nach IVF ist in hohem Maße von den Ursachen für die Kinderlosigkeit und dem Alter der Frau abhängig. Weltweit werden die Schwangerschaftsraten mit ca. 25 Prozent pro Transfer angegeben.

Was geschieht im Labor?

Ein wichtiger Teil der In-Vitro-Fertilisation - nämlich die Befruchtung der Eizelle -  findet im Labor statt. Um Ihnen ein gutes Gefühl zu geben, möchten wir Ihnen im folgenden erklären, was im Labor geschieht.

Zunächst muss man wissen, dass nicht jede befruchtete Eizelle einen entwicklungsfähigen Embryo bildet. Das ist ganz normal und auch bei der »natürlichen« Fortpflanzung so. Es ist aber heute möglich, entwicklungsfähige Embryonen zu identifizieren und diese an die Frau zurückzugeben. Hier gibt es in Deutschland keine Benachteiligung im Vergleich zur Behandlung im Ausland. Verlinken mit News (Stellungnahme des BRB, ist schon eingebunden!).

Wie im Kapitel zur In-Vitro-Fertilisation beschrieben, werden die reifen Eizellen unter Ultraschallkontrolle aus der Scheide genommen (Follikelpunktion) und sofort ins Labor gebracht.
Dort werden alle gewonnenen Eizellen je nach Anzahl auf mehrere Kulturschalen verteilt und für ca. drei Stunden in einen Inkubator gegeben. Hier können die Eizellen weiter wachsen und ausreifen.

In der Zwischenzeit werden die Spermien präpariert. Dazu werden sie gereinigt, und es wird ihre Konzentration und Beweglichkeit ermittelt. So kommen nur geeignete Spermien mit hoher Beweglichkeit und Dichte zum Einsatz.

Nun werden die Spermien mit den Eizellen in den Kulturschalen zusammengebracht, d.h. die Spermien werden zu den Eizellen gegeben. Anschließend werden die Kulturschalen wieder in den Inkubator gegeben. Hier lösen die Spermienenzyme die umgebende Zellmasse der Eizellen auf - die Befruchtung kann stattfinden, d.h. die Spermien dringen in die Eizellen ein.

Nach 18 bis 20 Stunden werden die Zellen unter dem Mikroskop auf Zeichen der Befruchtung kontrolliert. Dieser Vorgang wird als Vorkern-Kontrolle bezeichnet. In der Eizelle bildet sich ein weiblicher Vorkern (Pronucleus) aus dem Genmaterial der Eizelle, ein männlicher Pronucleus entsteht aus dem Kernmaterial des Spermienkopfes. Wenn die Eizelle Vorkerne zeigt, ist davon auszugehen, dass es zu einer Verschmelzung der Vorkerne kommt und somit eine befruchtete Eizelle entsteht.

Bei der Vorkern-Kontrolle werden die Zellen in befruchtete und unbefruchtete getrennt, d.h. aus den Eizellen, die Vorkerne zeigen, werden letztendlich jene ausgewählt, die zum Transfer kommen. An dieser Stelle werden auch die Zellen für die Kryokonservierung ausgewählt. Bei der Kryokonservierung werden Eizellen für eine spätere Befruchtung eingefroren.

Nach weiteren 24 Stunden erfolgt eine Kontrolle und Dokumentation der ersten embryonalen Teilungsstadien. Nun werden die Zellen bis zum Transfer der Embryonen täglich kontrolliert. In Absprache mit der Patientin werden die Embryonen dann zwischen dem zweiten und dem fünften Tag nach der Eizell-Entnahme zurückgegeben. Werden die Embryonen erst am fünften Tag zurückgegeben, spricht man vom Blastozystentransfer.

Erklärende Flash-Animation

Animation zu IVF

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