Ursachen der Kinderlosigkeit bei Männern: Zu den häufigsten Gründen männlicher Unfruchtbarkeit gehören Störungen bei der Spermienproduktion.

Ursachen der Kinderlosigkeit bei Männern

Zu den häufigsten Gründen männlicher Unfruchtbarkeit gehören Störungen bei der Spermienproduktion. Die entscheidenden Parameter bei der Analyse der Spermien (Spermiogramm) sind die Zahl, die Beweglichkeit und die Form der Spermien. Oftmals sind alle drei Parameter eingeschränkt. In diesem Fall spricht man von einem OAT-Syndrom (Oligo - zuwenig, Astheno - schwach beweglich, Terato - fehlgeformt).

Die Normwerte der Weltgesundheitsorganisation (WHO) fordern eine Spermienkonzentration von mindestens 20 Millionen/ml, eine Gesamtspermienzahl von mindestens 40 Millionen oder mehr pro Ejakulat und eine Beweglichkeit von 50 % oder mehr. 15 % der Spermien müssen nach WHO normal geformt sein.

Ein objektives Messsystem stellt die Computer-assisted-sperm-analysis (CASA) dar.  Dabei wird das mikroskopische Bild von einem Computer digitalisiert. Aus mehreren aufeinander folgenden Bildern werden die von den Samenzellen zurückgelegten Wege berechnet. Die Spermiogramme im Hormon Zentrum München werden ausschließlich mit dieser Technik angefertigt. Eine Zusammenfassung der verschiedenen Spermienparameter finden Sie unter diesem link: http://de.wikipedia.org/wiki/Spermiogramm

Ursachen der eingeschränkten Samenqualität

Oft lassen sich für eine Störung der Spermienproduktion keine eindeutigen Ursachen mehr feststellen. Dies dies wird aufgrund der Tatsache, dass Menschen ein hohes Kausalitätsbedürfnis haben, oft als unbefriedigend empfunden. Tatsache ist jedoch, dass diese Schädigungen meist vor langer Zeit (in der Kindheit) stattgefunden haben und sich medizinisch nicht mehr zuordnen lassen. Einfluss auf die Spermienqualität haben sogenannte Noxen (vor allem Nikotin). Stress spielt meistens eine geringere Rolle als subjektiv von den Betroffenen empfunden. Eine Chemotherapie wirkt sich fast immer ungünstig auf die Spermienqualität aus. Bei vielen Männern finden sich auch hormonelle Störungen, die sehr gut behandelbar sind. Am Hormon Zentrum München werden über die Hälfte aller Männern mit Störungen der Spermienproduktion hormonell behandelt, bevor die Indikation für eine künstliche Befruchtung gestellt wird. Vielen Paaren bleibt auf diese Weise eine künstliche Befruchtung erspart.

Folgende Ursachen können sich auf die Spermienqualität auswirken:

Infektionen (Mumpsorchitis)

Eine häufig Ursache für eine eingeschränkte Spermienqualität ist die Hodenentzündung nach Mumps (Mumpsorchitis): Eine Mumpsorchitis tritt nach der Pubertät in den meisten Fällen einseitig, in seltenen Fällen auch beidseitig auf. Sie führt dann zu einer Hodenverhärtung und -verkleinerung mit Einschränkung der Spermienproduktion. Eine solche Entzündung lässt sich im Nachhinein nicht mehr nachweisen.

Hodenhochstand

Sind bei einem männlichen Säugling ein Hoden oder beide Hoden nach der Geburt nicht im Hodensack tastbar, so spricht man von einem Hodenhochstand. Dies führt zu einer Störung der Spermienproduktion, denn für eine normale Hodenfunktion ist eine Temperatur unter der Körpertemperatur nötig (idealerweise 32°C).

Häufig verschwindet diese Entwicklungsstörung während des ersten Lebensjahres. Ist dies nicht der Fall, sollte eine entsprechende Behandlung bis zum zweiten Lebensjahr abgeschlossen sein. Wenn eine rechtzeitige Behandlung versäumt wurde, kommt es wegen der höheren Umgebungstemperatur zu einer Schädigung des Hodengewebes und damit zu mangelhafter Spermienproduktion.

Genetische Defekte

Angeborene (genetische) Ursachen für eine männliche Unfruchtbarkeit sind zwar selten, sollten aber bei ausgeprägten Einschränkungen der Spermienqualität unbedingt abgeklärt werden, zumal hier eine einfache Blutuntersuchung ausreicht.

Chromosomen
Eine Chromosomenanomalie kann zu einem Abbruch der Spermienbildung führen. Dabei ist die Wahrscheinlichkeit für eine Chromosomenanomalie umso größer, je geringer die Anzahl der Spermien ist. Normwerte der Weltgesundheitsorganisation definieren eine Gesamtzahl von 20 Millionen oder mehr Spermien pro Milliliter Ejakulat als unauffällig. Befinden sich keine Spermien im Ejakulat, also bei der so genannten Azoospermie, kann man bei ca. 13 bis 15 Prozent der Männer eine Chromosomenanomalie nachweisen (häufig findet sich hierbei eine Abweichung in der Anzahl der Geschlechtschromosomen, z.B. wie beim Klinefelter-Syndrom). Bei weniger als fünf Millionen Spermien/ml sind es noch knapp sieben bis über acht Prozent(häufig findet sich hier eine Strukturanomalie der Chromosomen wie z.B. Translokationen). Liegt die Gesamtzahl der Spermien zwischen 10 und 20 Millionen sind nur noch zwischen 0,4 und 2,7 Prozent der Männer von einer Chromosomenanomalie betroffen.

Klinefelter-Syndrom
Ein Beispiel ist das Klinefelter-Syndrom. Männer mit diesem Syndrom haben ein X-Chromosom zuviel, was zu einer verminderten Ausschüttung männlicher Hormone und zu einer verminderten Qualität der Samenfäden führt, oftmals sogar zu einem kompletten Ausfall der Spermienproduktion. Eine solche Störung ist behandelbar, allerdings nur unter Zuhilfenahme der intracytoplasmatischen Spermieninjektion (ICSI).

Verschluss der abführenden Samenleiter (CBAVD*)
Eine weitere Ursache für eine Azoospermie im Ejakulat kann das Fehlen der Samenleiter sein (CBAVD: Congenitale Bilaterale Aplasie der Vasa Deferentia). Bei ein bis zwei Prozent aller infertilen Männern ist die Unfruchtbarkeit auf das Fehlen der ableitenden Samenleiter zurückzuführen. Es handelt sich hierbei um das inkomplette Bild einer Mukoviszidose (synonym Cystische Fibrose) ohne Beteiligung der Lunge oder Bauchspeicheldrüse. Bei ca. 2/3 der Männer mit CBAVD, aber ohne Symptome einer Mukoviszidose, findet man Mutationen in dem Gen für die Mukoviszidose.
Die Mukoviszidose ist die häufigste autosomal-rezessiv vererbte Erkrankung. Jeder 25. Mensch in der europäischen Bevölkerung ist Träger einer Veränderung im Gen für die Mukoviszidose (sog. Heterozygotenfrequenz). Autosomal rezessiv bedeutet: jede unserer Erbanlagen (Gene) - mit Ausnahme derjenigen auf den Geschlechtschromosomen - liegt in zwei Kopien (Allelen) vor. Ein Allel stammt von der Mutter, das andere vom Vater. Bei autosomal rezessiv vererbten Erkrankungen sind die Eltern eines Betroffenen jeweils Träger eines veränderten Allels. Wenn nun einem Kind das veränderte Allel sowohl von der Mutter als auch vom Vater vererbt wird, kommt es zur Manifestation der Erkrankung. Eine einzige Veränderung in dem Gen reicht  dementsprechend nicht aus, um zu einer Krankheitserscheinung zu führen. Erst wenn zwei Veränderungen in dem Gen vorliegen (homozygot) kommt es zur Manifestation von Krankheitserscheinungen. Die Erkrankung der Mukoviszidose ist schwer und fortschreitend und führt zu einer zähen Schleimbildung mit häufigen Infektionen (Entzündungen). Sie betrifft vor allem die Luftwege (häufige Lungenentzündung) und auch die Bauchspeicheldrüse.
*(Congenitale Bilaterale Aplasie der Vasa Deferentia/ Mukoviszidose)

Eine weitere genetisch bedingte Ursache für die Azoospermie ist der Verlust von Informationen auf dem Y-Chromosom (sog. Deletion). Das Y-Chromosom ist für die männliche Geschlechtsausprägung verantwortlich. Diese Region auf dem Y-Chromosom wird als Azoospermiefaktor (AZF)  bezeichnet und führt, wenn sie verloren geht, zu einer schweren Oligo- oder Azoospermie. Alle Söhne von betroffenen Männern sind gesund, aber ebenfalls infertil. 

Erektile Dysfunktion

Als erektile Dysfunktion bezeichnet man die Unfähigkeit, eine ausreichend lange und ausreichend starke Erektion aufrechtzuerhalten.

Die Ursachen hierfür sind mannigfaltig und reichen von Hormonmangelzuständen bis hin zu arteriosklerotischen Gefäßveränderungen. Oft sind aber auch psychische Faktoren wie Stressbelastung oder Konflikte in der Partnerschaft die Ursache. Deshalb ist es für die Kinderwunschbehandlung äußerst wichtig, dass Sie Probleme in diesem Bereich offen bei Ihrem Arzt ansprechen.

Unterbundener Spermientransport

Bei Störungen des Spermientransports ist der Austritt der Spermien aus dem Nebenhoden, in dem die Spermien gespeichert sind, nach draußen nicht möglich. In diesem Fall befinden sich gar keine oder zu wenig Spermien im Ejakulat. Dies ist entweder durch einen Verschluss der Samenwege oder durch einen ungeordneten Ablauf der Ejakulation bedingt.

Manchmal sind Nebenhodenentzündungen oder Prostataentzündungen, die in der Vergangenheit stattgefunden haben, die Ursache dafür.

In seltenen Fällen kann der Samenleiter auch völlig fehlen (in diesem Fall spricht man von CBAVD). Dies tritt bei Männern mit der Erbkrankheit Mukoviszidose* auf, häufiger jedoch bei symptomlosen Trägern des Mukoviszidose-Gens (Männer, die diese Erbkrankheit lediglich übertragen). In einem solchen Fall muss man sicherstellen, dass die Partnerin nicht auch Überträgerin ist. Dies erfolgt durch eine genetische Untersuchung.

Hodenkrampfader

In diesem Fall befindet sich eine Krampfader (Varikozele) um den Samenstrang. Dies kann aufgrund einer gesteigerten Durchblutung des Hodens dazu führen, dass die Spermienproduktion eingeschränkt wird. Allerdings führt eine solche Krampfader nur in sehr seltenen Fällen zu Unfruchtbarkeit.

Die Erfolge durch Entfernung der Hodenkrampfader sind oftmals unbefriedigend und die Indikation zu einer Operation wird deshalb heutzutage nur noch selten gestellt.

Hormonelle Störungen

Auch bei Männern können hormonelle Störungen zu Unfruchtbarkeit führen. Für die Neubildung von Spermien sind zwei Hormone besonders wichtig: FSH und LH. Beide Hormone werden über die Hirnanhangsdrüse (Hypophyse) freigesetzt. LH sorgt für die Testosteronproduktion im Hoden, FSH wirkt im Hoden direkt auf die Neubildung von Spermien.

Natürlich gibt es weitere Hormone, die störend in die hormonellen Regelkreise eingreifen können und damit die Spermienproduktion ebenfalls negativ beeinflussen können. Wir diagnostizieren sämtliche in Frage kommenden Hormonstörungen mittels einer entsprechenden Blutuntersuchung.

Alter als Ursache

Spermien werden im männlichen Körper eigentlich kontinuierlich nachproduziert. Aber: Nach einer Studie aus dem Jahr 2006 nimmt der Anteil an schnell beweglichen Spermien – diese sind für die Befruchtung der Eizelle entscheidend – bei Männern jährlich um fast ein Prozent ab. D.h. gerade bei Männern, deren Spermiogramm in jungen Jahren im unteren Bereich der Norm liegt, kann es in späteren Jahren eine ungenügende Anzahl an schnell beweglichen Spermien aufweisen. Neue Daten zum Abortrisiko (Risiko einer Fehlgeburt) von Frauen deuten darauf hin, dass das väterliche Alter auch für diese Störungen bedeutsamer ist als in der Vergangenheit vermutet. So ist das Risiko einer Fehlgeburt in der Gruppe der Frauen mit 35-39-jährigen Vätern dreimal so hoch wie in der Gruppe mit unter 25-jährigen Vätern.

Art der Spermagewinnung für die Behandlung

Ein weiteres mögliches Problem ist die Art der Spermagewinnung für die Kinderwunschbehandlung. Oft wird das Sperma mittels Masturbation nach unzureichender Stimulation gewonnen. Dies kann die Menge und Zusammensetzung des Ejakulates negativ beeinflussen.

Sertoli-Cell-Only-Syndrom, Globozoospermie, retrograde Ejakulation

Eine weitere Ursache für Unfruchtbarkeit ist das Sertoli-Cell-Only-Syndrom. Bei dieser Erkrankung fehlen die Zellen, die in den Hodenkanälchen die Spermien bilden.

Zu erwähnen ist auch die Globozoospermie. Hier fehlt das »Hütchen« am vorderen Ende des Samenfadens, dieses beinhaltet wichtige Enzyme, mit deren Hilfe das Spermium in die Eizelle eindringen kann.

Bei einer retrograden Ejakulation handelt es sich schließlich um die Umlenkung der Samenflüssigkeit in Richtung Harnblase, d.h. die Ejakulation findet nach innen statt. Ein schlecht eingestellter Diabetes oder neurologische Erkrankungen können zu einer solchen Komplikation führen.

Die Sperma-Untersuchung

Die Sperma-Untersuchung erfolgt im Rahmen eines so genannten Spermiogramms. Es sollten mindestens zwei Spermiogramme vorliegen, da Spermiogramme erheblich schwanken können. Krankenkassen verlangen häufig zwei Spermiogramme in einem Abstand von 12 Wochen. Die verschiedenen Spermiogramm-Parameter finden Sie unter folgendem Link: http://de.wikipedia.org/wiki/Spermiogramm

Diagnostische Spermiogramme werden seit dem Jahr 2004 an den Kinderwunschzentren von den gesetzlichen Krankenversicherungen nicht mehr übernommen. Die Kosten belaufen sich auf 40 bis 50 €.

Kontakt & Termine

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Hormon Zentrum München
Praxisklinik für Kinderwunsch & Endokrinologie
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